Ein Mann verirrte sich in einer Wüste. Tagelang irrte er umher. Wie lange braucht man, um zu verhungern und zu verdursten? Das überlegte er sich beständig. Die unbarmherzige Sonnenglut hatte ihn bald ausgedörrt. Er fieberte. Wenn er erschöpft ein paar Stunden schlief, träumte er von Wasser, von Orangen und Datteln. Dann erwachte er zu schlimmerer Qual und taumelte weiter. Da sah er in einiger Entfernung eine Oase. Aha, eine Fata Morgana, dachte er. Eine Luftspiegelung, die mich narrt und zur Verzweiflung treiben wird, denn in Wirklichkeit ist gar nichts da. Er näherte sich der Oase, aber sie verschwand nicht. Er sah sie im Gegenteil immer deutlicher: die Dattelpalmen, das Gras und die Felsen, zwischen denen eine Quelle entsprang. Es kann natürlich auch eine Hungerfantasie sein, die mir mein halb wahnsinniges Hirn vorgaukelt, dachte er. Solche Fantasien hat man ja in meinem Zustand. Natürlich – jetzt höre ich sogar das Wasser sprudeln. Eine Gehörhalluzination. Wie grausam die Natur ist! Mit diesem Gedanken brach er zusammen. Er starb mit einem lautlosen Fluch auf die unerbittliche Bösartigkeit des Lebens.

Eine Stunde später fanden ihn zwei Beduinen. „Kannst du so etwas verstehen?“ sagte der eine zum anderen. „Die Datteln wachsen ihm ja beinahe in den Mund – er hätte nur die Hand auszustrecken brauchen. Und dicht neben der Quelle liegt er, mitten in der schönen Oase – verhungert und verdurstet. Wie ist das nur möglich?“ „Es war ein moderner Mensch“, antwortete der andere Beduine, „er hat es nicht für möglich gehalten.“ Viele Menschen glauben angeblich nur, was sie sehen. Dieser konnte nicht einmal glauben, was er sah.

Gleichen wir nicht auch diesem UnglĂĽcklichen aus der Parabel von Kadidja Wedekind? So mancher ist ausgetrocknet und ausgebrannt. Man hat die Orientierung verloren. Diese Welt, dieses Leben konnte die innersten BedĂĽrfnisse nicht befriedigen. Wir lechzen nach SinnerfĂĽllung, nach wahrem, bleibendem GlĂĽck, nach Frieden mit Gott. Und doch ignorieren wir „modernen Menschen“ Gottes Gnadenangebot. Wir gehen durstig an dem vorbei, der uns in der Jahreslosung einlädt: „Ich will dem Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst“ (Offenbarung 21,6). Hören Sie nicht länger auf Ihre innere Stimme, wie der Bedauernswerte  in unserer Geschichte. Kommen Sie zur Quelle des Lebens, zu Jesus Christus. Denn „wer von diesem Wasser trinkt, den wird nicht dĂĽrsten in Ewigkeit“ (Johannes 4,14).